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ADHS, Lernschwäche & Schulerfolg: Ein ehrlicher Ratgeber für Eltern
Lerntipps

ADHS, Lernschwäche & Schulerfolg: Ein ehrlicher Ratgeber für Eltern

05. Mär 2026 Lesezeit: ca. 5 Minuten Von Jannik

Als ich vor einigen Jahren anfing, Nachhilfe zu geben, dachte ich, es ginge nur um Mathe-Formeln und Grammatikregeln. Dann traf ich Kinder wie Luca (Name geändert) — ein aufgeweckter, kreativer Junge mit ADHS, der trotz offensichtlicher Intelligenz in der Schule scheiterte. Er hat mein Verständnis von Nachhilfe grundlegend verändert.


Heute arbeite ich regelmässig mit Kindern, die ADHS, LRS (Lese-Rechtschreib-Schwäche) oder Dyskalkulie haben. In diesem Artikel teile ich, was ich dabei gelernt habe — ehrlich, praxisnah und hoffentlich hilfreich für euch als Eltern.


Was ADHS wirklich bedeutet — jenseits der Klischees


ADHS ist keine Modediagnose und kein Erziehungsproblem. Es ist eine neurobiologische Besonderheit, bei der das Gehirn den Botenstoff Dopamin anders verarbeitet. Das bedeutet konkret: Die Selbststeuerung — also die Fähigkeit, Impulse zu kontrollieren, die Aufmerksamkeit zu lenken und Handlungen zu planen — funktioniert anders.


Laut der KIGGS-Studie des Robert Koch-Instituts sind 5–7 % aller Schulkinder in Deutschland betroffen. Jungen werden 3–4 Mal häufiger diagnostiziert als Mädchen — wobei Mädchen oft übersehen werden, weil sie eher den "verträumten" Typ zeigen statt den "zappligen".


Die unsichtbaren Stärken


Was in der Schule oft untergeht: ADHS-Kinder bringen häufig aussergewöhnliche Stärken mit. Sie sind oft kreativ, begeisterungsfähig, haben einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und können sich bei Themen, die sie wirklich interessieren, extrem gut konzentrieren (Hyperfokus). Das Problem ist nicht mangelnde Fähigkeit — es ist ein System, das nicht zu ihnen passt.


Warum klassische Nachhilfe bei ADHS oft scheitert


Stellt euch vor: Euer Kind sitzt nach 6 Stunden Schule in einem Nachhilfe-Institut, in einer Gruppe mit 4–5 anderen Kindern, unter Neonlicht, und soll jetzt nochmal 90 Minuten stillsitzen und Mathe machen. Für ein Kind mit ADHS ist das eine Überforderung, die fast zwangsläufig zum Scheitern führt.


Warum Online-Nachhilfe anders ist


Bei TutorWave arbeiten wir 1:1 über Videocall — und das hat für ADHS-Kinder entscheidende Vorteile:


  • Der Bildschirm fokussiert die Aufmerksamkeit auf eine einzige Sache
  • Keine Ablenkung durch andere Kinder, Geräusche oder Reize
  • Kurze Einheiten (25 Minuten) statt endloser 90-Minuten-Blöcke
  • Das vertraute Umfeld zu Hause gibt Sicherheit
  • Bewegungspausen sind jederzeit möglich — einfach Kamera aus, kurz bewegen, weiter
  • Der Tutor kann den Unterricht in Echtzeit anpassen

  • LRS & Legasthenie: Wenn Lesen und Schreiben zur Qual werden


    Lese-Rechtschreib-Schwäche betrifft 4–8 % aller Kinder. Diese Kinder sind nicht dumm und nicht faul — ihr Gehirn verarbeitet geschriebene Sprache einfach anders. Buchstaben verschwimmen, Wörter werden verdreht, und trotz stundenlangem Üben bleiben die Diktate voller Fehler.


    Was Eltern verstehen müssen


    LRS wächst sich nicht aus. Ohne gezielte Förderung bleiben die Schwierigkeiten bis ins Erwachsenenalter bestehen. Aber — und das ist die gute Nachricht — mit der richtigen Unterstützung können LRS-Kinder alles erreichen. Abitur, Studium, erfolgreiche Karriere. Es dauert nur manchmal etwas länger.


    Konkrete Hilfestellungen für zu Hause


  • Vorlesen, vorlesen, vorlesen — auch bei älteren Kindern. Abwechselnd lesen macht es zum gemeinsamen Erlebnis statt zur Pflichtübung.
  • Hörbücher sind kein Schummeln. Sie erweitern den Wortschatz und die Sprachkompetenz.
  • Markiert richtige Wörter grün statt falsche rot. Der Fokus auf Fehler zerstört die Motivation.
  • Beantragt einen Nachteilsausgleich in der Schule — darauf hat euer Kind ein Recht.
  • Feiert jeden Fortschritt, egal wie klein.

  • Dyskalkulie: Wenn Zahlen keinen Sinn ergeben


    Dyskalkulie (Rechenschwäche) betrifft 3–7 % aller Kinder und wird leider noch häufiger übersehen als LRS. Betroffene Kinder haben kein Gefühl für Zahlen und Mengen. Die Zahl "7" bleibt ein abstraktes Symbol, kein Ausdruck einer Menge.


    Warnzeichen erkennen


  • Finger-Zählen über die 2. Klasse hinaus
  • Grosse Schwierigkeiten mit dem Einmaleins trotz intensivem Üben
  • Probleme, Grössenordnungen einzuschätzen (Ist 100 viel oder wenig?)
  • Verwechslung von Rechenzeichen
  • Starke Angst vor Mathe-Stunden

  • So arbeiten wir bei TutorWave mit Dyskalkulie


    Wir gehen zurück zu den Grundlagen — nicht um das Kind zu beschämen, sondern um ein echtes Zahlenverständnis aufzubauen. Das bedeutet: Arbeiten mit konkretem Material (auch digital möglich), kein Zeitdruck, spielerische Übungen und ganz viel Geduld. Das Tempo bestimmt das Kind, nicht der Lehrplan.


    5 Strategien, die bei allen Lernschwächen helfen


    1. Die Pomodoro-Technik (angepasst)

    Statt 25 Minuten Arbeit + 5 Minuten Pause (wie im Original) empfehle ich für Kinder mit ADHS: 15 Minuten konzentrierte Arbeit + 5 Minuten aktive Pause (Bewegung!). Und dann: nochmal 15 Minuten. Die Gesamtlernzeit ist gleich, aber die Portionen sind verdaulicher.


    2. Visuelle Lernhilfen

    Mind-Maps, Farbcodierung, Skizzen. Kinder mit Lernschwächen profitieren enorm von visuellen Darstellungen. Bei uns im Online-Unterricht nutzen wir ein digitales Whiteboard, auf dem Tutor und Schüler gleichzeitig zeichnen und schreiben können.


    3. Multisensorisches Lernen

    Je mehr Sinne beteiligt sind, desto besser haftet der Stoff. Buchstaben in Sand schreiben, Brüche mit Lego darstellen, Vokabeln mit Bewegungen verknüpfen. Das klingt spielerisch — und genau das soll es auch sein.


    4. Routine und Struktur

    Jeden Tag zur gleichen Zeit, am gleichen Ort, mit dem gleichen Ritual. Für Kinder mit ADHS ist Vorhersehbarkeit Gold wert. Ein fester Ablauf reduziert den Kampf vor den Hausaufgaben enorm.


    5. Ehrliches, sofortiges Feedback

    Nicht warten bis zur nächsten Klassenarbeit. Kinder mit Lernschwächen brauchen sofortiges, positives Feedback. "Du hast gerade 3 Aufgaben in Folge richtig gemacht — das hast du super gemacht!" Das klingt simpel, aber es verändert alles.


    Was Eltern wirklich brauchen: Entlastung


    Wenn euer Kind eine Lernschwäche hat, dann wisst ihr: Es ist anstrengend. Die täglichen Hausaufgaben-Kämpfe, die Elternabende, die Vergleiche mit anderen Kindern. Ihr investiert unendlich viel Energie — und trotzdem fühlt es sich manchmal an, als würde es nicht reichen.


    Deshalb möchte ich euch etwas Wichtiges sagen: Es ist nicht euer Fehler. ADHS, LRS und Dyskalkulie sind neurobiologische Besonderheiten — keine Folge von zu wenig Förderung oder falschem Erziehungsstil.


    Und: Ihr müsst das nicht alleine schaffen. Holt euch Unterstützung — bei uns, beim Kinderarzt, beim Schulpsychologen, in einer Selbsthilfegruppe. Es ist ein Zeichen von Stärke, nicht von Schwäche.


    Fazit: Jedes Kind kann erfolgreich sein


    In meinen Jahren als Tutor habe ich eines gelernt: Es gibt keine dummen Kinder. Es gibt nur Kinder, die anders lernen — und ein Schulsystem, das nicht für alle passt.


    Mit der richtigen Unterstützung, Geduld und einem Tutor, der ihr Kind versteht, können auch Kinder mit ADHS, LRS oder Dyskalkulie ihren Weg machen. Vielleicht dauert er etwas länger. Vielleicht sieht er anders aus als erwartet. Aber er kann genauso weit führen.


    Wenn ihr Fragen habt oder eine unverbindliche Beratung möchtet, meldet euch bei uns. Bucht eine günstige Probestunde — und wir nehmen uns die Zeit, euer Kind und seine Bedürfnisse wirklich kennenzulernen.


    Euer Jannik


    Erklärvideo zum Thema

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